Oles Blog über Entdecker und Helden


Hallo! Ich bin Ole, und das hier ist mein Blog.

Mission mit Schwein ist nämlich meine Geschichte. Die Geschichte, wie ich ein Held
geworden bin, zusammen mit meinen Freunden India und Patrick. Und natürlich mit Opa.
Ein Held zu werden, ist gar nicht einfach. Ich hätte es fast nicht geschafft. Aber Opa hat
mir immer aus unserem Lieblingsbuch vorgelesen, dem über die großen Entdecker. Daher
wusste ich, was mich erwartet. Bei so einem Abenteuer muss man echt mit allem rechnen.
Entdecker müssen furchtbare Qualen überstehen. Hunger, Durst und eingefrorene Zehen.
Und manchmal warten am Ende sogar Kannibalen auf sie.

Einige meiner Vorbilder stelle ich Euch hier vor. Schaut doch mal
rein und schreibt mir, was Ihr denkt.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Euch

Euer Ole

Sonntag, 3. November 2013

Claudette Colvin und der Montgomery Bus-Streik

Am 2. März blieb eine amerikanische Schülerin auf der Heimfahrt im Bus einfach sitzen und weigerte sich, für eine weiße Frau Platz zu machen. Das wäre heute gar kein Problem gewesen. Der Sitz gegenüber war sogar noch frei. Aber es war das Jahr 1955, und die Hautfarbe der Schülerin war schwarz. Mit ihrer Sturheit löste die damals 15-jährige Claudette Colvin eine Revolution aus, die ein paar Monate später zum großen Montgomery Bus-Streik führte.

Claudette Colvin mit etwa 12 Jahren, Foto: Alean Bowser

Claudette Colvin wurde am 5. September 1939 geboren. Sie wuchs in Montgomery, einer Stadt in Alabama auf. Der Staat Alabama gehört zu den Südstaaten der USA, also den Landesteilen, in denen bis zum Ende des Bürgerkrieges 1865 noch Menschen mit schwarzer Hautfarbe als Sklaven gehalten wurden. Obwohl seit dem Ende der Sklaverei schon über 70 Jahre vergangen waren, glaubten damals viele Menschen noch, dass die Weißen den Schwarzen überlegen wären. In der Verfassung stand zwar, dass alle Menschen gleich seien, aber gerade die Leute in den ehemaligen Südstaaten hatten viele Vorurteile. Daher gab es in vielen Staaten die Jim-Crow-Gesetze, die regelten, wie Menschen unterschiedlicher Hautfarbe zusammen leben sollten. Unter dem Motto "getrennt aber gleich" wurden die Menschen im Alltag oft nach Hautfarben getrennt.

Die weißen Kinder gingen auf eine Schule für weiße Schüler. Die schwarzen Kinder hatten ihre eigenen Schulen. Nur waren die oft nicht so gut ausgestattet. Es gab tatsächlich Kinos für Farbige oder in einem gemeinsamen Kino spezielle Eingänge, die aber nicht so hübsch aussahen wie die der Weißen. Es gab getrennte Toiletten, extra Wasserspender, und auch beim Einkaufen machte die Hautfarbe einen Unterschied. Wenn Claudette sich ein neues Kleid kaufen wollte, dufte sie es im Geschäft nicht anprobieren. Die Umkleidekabinen waren nur für weiße Kundinnen. Wenn sie Schuhe kaufen wollte, musste sie ihren Fuß auf eine braune Papiertüte stellen, ihn mit einem Bleistift umzeichnen und das Bild dem Verkäufer geben. Schuhe anprobieren durfte eine Schwarze nicht.

Rex Theater für farbige Menschen, Leland, Mississippi, 
Foto: Dorothea Lange 1937, kein Copyright

Das waren aber nur die alltäglichen Kleinigkeiten. Tatsächlich war das ganze Ausmaß noch viel schlimmer. Schwarze mussten sehr viel vorsichtiger sein als Weiße. Gerade erst war ein Mitschüler von Claudette verhaftet und zum Tode verurteilt worden, weil er eine weiße Freundin hatte. Und Emmett Till, ein dreizehnjähriger schwarzer Junge, wurde von zwei weißen Männern brutal zu Tode gequält, weil er angeblich die Ehefrau des einen beleidigt hatte. Die weißen Mörder wurden vom Gericht freigesprochen. Wenn ein Schwarzer etwas tat, das irgendwie die Überlegenheit eines Weißen in Frage stellte, konnte es passieren, dass nachts eine wütende weiße Menge vor seinem Haus stand und die ganze Familie bedrohte. Umgekehrt passierte soetwas nicht.

"Schwarzer, der an einer Straßenbahnhaltestelle in Oklahoma City,
 aus dem Wasserspender für Farbige trinkt"
Foto: Russell Lee, 1939, kein Copyright


Am Nachmittag des 2. März 1955 fährt Claudette wie jeden Nachmittag mit dem Bus von der Schule nach Hause. Sogar die öffentlichen Busse sind unterteilt. Im Bus dürfen die Weißen vorne sitzen, für die Schwarzen sind die hinteren Plätze. Jeden Tag muss Claudette vorne in den Bus einsteigen, ihre Fahrkarte kaufen, wieder aussteigen, außen am Bus entlang laufen, hoffen, dass der Fahrer in der Zeit noch nicht abgefahren ist und zur hinteren Tür wieder einsteigen. Das ist ziemlich lästig, aber damals völlig normal. Die Plätze im mittleren Teil des Busses sind für alle. Das heißt aber nicht, dass Weiße und Schwarze dort gemischt sitzen. Die Schwarzen dürfen dort nur sitzen, so lange kein Weißer einen Sitz verlangt. Dann müssen die Schwarzen direkt eine ganze Reihe frei machen.

Öffentlicher Bus in Texas,
Foto: The Motley News,
http://motleynews.net/2011/06/24/a-nostalgic-black-white-photo-journey-through-americas-past/

Weil hinten im Bus alle Plätze belegt sind, sitzt Claudette im Mittelteil. Während der Fahrt denkt sie an den Geschichtsunterricht. Sie haben über die Geschichte der schwarzen Bevölkerung in den USA gesprochen. Claudettes schwarze Vorfahren wurden in Afrika von skrupellosen Händlern einfach gefangen und in Amerika wie Tiere an die weißen Landbesitzer verkauft, um auf den Plantagen zu schuften. Als Sklaven hatten sie keine Rechte. Sie wurden als Vieh oder Sachen betrachtet, die der Besitzer schlagen, töten oder verkaufen konnte, so wie er wollte. Doch ihre Geschichtslehrerin hat auch von zwei starken, schwarzen Frauen erzählt. Sojourner Truth und Harriet Tubman waren zwei entflohene Sklavinnen, die vor hundert Jahren mutig und tapfer für die Rechte ihrer schwarzen Mitmenschen gekämpft hatten. Mittlerweile sind auch in den USA die Schwarzen vor dem Gesetz freie Menschen. Aber Claudette spürt bei jeder Gelegenheit, dass viele Weiße sie wegen ihrer Hautfarbe weiterhin für minderwertig halten.


Sojourner Truth 1864,
Library of Congress Washington, kein Copyright bekannt
http://www.loc.gov/pictures/item/97513239

An einer Haltestelle steigen ein paar weiße Fahrgäste ein und der Busfahrer fordert die Passagiere der ersten schwarzen Sitzreihe auf, Platz zu machen. Die anderen suchen sich Stehplätze im hintern Teil, aber Claudette Colvin kann nicht aufstehen. Sie hat ein Gefühl, als würden die Geister von Sojouner Truth und Harriet Tubman sie auf den Sitz drücken. In ihrem Inneren mischt sich die ganze Wut über die ständige Diskriminierung mit der Bewunderung für ihre schwarzen Vorkämpferinnen. Das fünfzehnjährige Mädchen bleibt stur sitzen.

Die herbeigerufenen Polizisten wollen natürlich wissen, warum Claudette Colvin sich weigert aufzustehen. Aber sie sagt nur, sie hätte ihren Fahrschein bezahlt, und es sei ihr Recht hier zu sitzen. Auch als einer der Polizisten sie tritt und ihr die Schulbücher aus der Hand schlägt, steht sie nicht auf. Die Tränen laufen ihr über das Gesicht, aber sie wiederholt nur, was sie schon gesagt hat. Es sei ihr Recht hier zu sitzen. Sie steht so lange nicht auf, bis die Polizisten sie schließlich packen, gewaltsam aus dem Bus zerren, sie in den Polizeiwagen schieben und nach kurzem Überlegen ihr sogar Handschellen angelegen.

Harriet Tubman 1885,
Foto: H. Seymour Squyer, National Portrait Gallery

Auf der Polizeiwache werden ihre Fingerabdrücke genommen, als hätte sie ein übles Verbrechen begangen. Ohne jemandem Bescheid sagen zu dürfen, wird sie ins Gefängnis gebracht. Die Zelle hat drei kahle, kalte Wände, eine Liege und ein Klo. Sonst nichts. Als die Tür hinter ihr ins Schloss fällt, ist Claudette allein. Niemand weiß wo sie ist. Panik steigt in ihr auf. Sie weint, betet und hofft.
Drei Stunden muss sie in ihrer Zelle warten. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Doch dann kommt ihre Mutter zusammen mit dem Pfarrer ihrer Kirche. Klassenkameraden, die auch im Bus waren, haben sie angerufen.

Die Nacht über hält Claudettes Vater mit seinem Gewehr Wache. Er befürchtet einen Überfall verärgerter Weißer. Aber zum Glück passiert nichts. Doch Claudettes Verhalten hat etwas in der schwarzen Bevölkerung von Montgomery verändert. Einige Nachbarn meiden sie. Aber in vielen reift langsam der Zorn. Es ist Zeit für eine Revolution. Andere Mädchen folgen Claudettes Beispiel. Sie machen im Bus keinen Platz mehr für Weiße. Auch sie werden verhaftet. In der schwarzen Bevölkerung steigt die Unruhe. Genau neun Monate nachdem Claudette verhaftet wurde, steigt wieder eine schwarze Frau an der gleichen Haltestelle wie Claudette in den Bus. Es ist Rosa Parks, die sich am 01. Dezember 1955 weigert, ihren Platz zugunsten einer weißen Frau zu räumen.

Rosa Parks mit Martin Luther King,
etwa 1955, kein Copyright bekannt

Das ist der Beginn der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA. Rosa Parks, die bereits in einer schwarzen Bürgerrechtsorganisation arbeitet, hat die Aktion vermutlich zusammen mit dem jungen Pfarrer Martin Luther King sorgfältig geplant. Nach ihrer Verhaftung formiert sich der Widerstand der schwarzen Bevölkerung im Montgomery Bus Streik. Ein Jahr lang weigern sich fast alle Schwarzen der Stadt, die öffentlichen Busse zu benutzen. Der Busgesellschaft fehlen die Einnahmen. Parallel werden zwei Gerichtsprozesse geführt. Claudette klagt zusammen mit vier anderen Frauen vor dem Obersten Gerichtshof ihre Rechte ein. Rosa Parks klagt vor dem Gericht des Bundesstaats Alabama.

Am 20. Dezember 1956 verkündet der Oberste Gerichtshof das Urteil im Fall "Browder gegen Gayle". Die Rassentrennung in den Bussen von Montgomery im Bundesstaat Alabama ist nicht vereinbar mit der amerikanischen Verfassung. Ab sofort darf jeder im Bus sitzen, wo er mag, unabhängig von der Hautfarbe. Claudette Colvin hat gewonnen. 
Sie verlässt die Südstaaten und führt fortan ein ruhiges Leben in New York. Aber die Bewegung geht weiter. Rosa Parks reist durch das ganze Land, hält Vorträge und wird verehrt. Martin Luther King wird zu einem der bedeutendsten Bürgerrechtler der USA. 1964 bekommt er dafür den Friedensnobelpreis.

Claudette Colvin, Foto: Margot Adler, NPA

Heute gibt es in den USA keine Rassendiskriminierung mehr. Alle haben die gleichen Rechte. Alle gehen ins gleiche Kino, durch denselben Eingang, und Menschen jeder Hautfarbe dürfen im Geschäft die Umkleiden benutzen. Mit ihrem gewaltfreien Widerstand hat Claudette Colvin eine ganze Bewegung begonnen. Nur weil sie einfach einmal sitzen geblieben ist.

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